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Seelische Erkrankungen

Allgemein formuliert sind seelische Erkrankungen psychische Störungen, einhergehend mit Beeinträchtigungen der Wahrnehmungen, des Denkens, des Fühlens, des Verhaltens, der Erlebnisverarbeitung oder der sozialen Beziehungen. So mannigfaltig und individuell wie wir Menschen sind, so mannigfaltig und individuell können auch die psychischen Beeinträchtigungen sein.

Dennoch ähneln sich auf der anderen Seite diverse Symptome, welche in Symptomgruppen zusammengefasst werden können, und es lassen sich schließlich daraus entsprechende Diagnosen stellen.

Die meisten Menschen haben schon von Erkrankungen wie Anpassungsstörungen, Depressionen, Angststörungen, Persönlichkeits-störungen, Essstörungen, Suchterkrankungen und ähnlichen gehört, und nicht wenige sind von dem einen oder anderen Krankheitsbild betroffen.

Seelische ErkrankungenIch möchte mich auf dieser Seite kurz einzelnen seelischen Erkrankungen informativ zuwenden, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.So sollen insbesondere solche Störungen hier näher erläutert werden, die auch im Rahmen meiner Behandlungsschwer-punkte liegen und unter denen zunehmend mehr Menschen leiden.

 

Depressionen:

Nicht selten beginnt eine Depression mit einem sogenannten Burnout. Man fühlt sich ausgebrannt, nicht mehr leistungsfähig. Dies bezieht sich nicht zwangsläufig auf den beruflichen Bereich sondern auch auf private Herausforderungen.

Es entwickeln sich Symptome wie gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, Interessenverlust und Antriebsminderung. Oft spielen dann Schuldgefühle, Minderwertigkeitsgefühle und diffuse Ängste eine Rolle. Relativ häufig beginnt die Symptomatik mit einer Schlafstörung: so können Grübeln oder Kreisen der Gedanken das Einschlafen behindern, oder aber der Schlaf wird unruhig und unterbrochen, die Schlafunterbrechungen können wiederum mit erschwertem Einschlafen verbunden sein, die Nacht scheint schon lange vor dem Wecker zu Ende zu sein (sogenanntes Früherwachen) und ähnliches. Es kann zu Appetitstörungen kommen, zu sexuellem Interessenverlust und häufig werden auch sogenannte kognitive Störungen (Konzentrations- und/oder Merkfähigkeitsstörungen) berichtet. Suizid-gedanken können auftreten bis hin zu Suizidimpulsen und tatsächlichen Suizidversuchen. Aber auch ohne akute oder latente Suizidalität kann eine Depression vorliegen.

Es wird unterschieden zwischen einer depressiven Episode, die mehrere Wochen bis Monate anhalten kann, und einer sogenannten rezidivierenden Depression, also einer Erkrankung, die mit wiederkehrenden depressiven Episoden verbunden ist.

Aus aktuellem Anlass möchte ich darauf hinweisen, dass fremdaggressives Verhalten, „Amoklauf“, „erweiterter Suizid“ oder ähnliche Verhaltensweisen bei der Diagnose einer Depression nicht zu erwarten sind. Bei solchen schrecklichen Taten spielen viele verschiedene Komponenten eine Rolle, eine nachträgliche Erklärung ist selten möglich, ein Verständnis noch weniger....

 

Angsterkrankungen:

Jeder Mensch kennt das Gefühl von Angst, dieses ist ein wichtiges und funktionales Gefühl, das uns vor Gefahren schützt. Wenn die Ängste aber überhand nehmen und den Situationen nicht angemessen auftreten, so könnte eine Angsterkrankung der Grund sein.

Eine Form von Angsterkrankungen sind die phobischen Störungen oder Phobien. Hier steht die Angst vor einer bestimmten Situation oder einem bestimmten Ort im Vordergrund. Hierzu zählen zum Beispiel eine Spinnenphobie, eine Höhenangst oder eine Flugangst.

Bei einer sogenannten Panikstörung treten die Angstattacken plötzlich und wie aus dem Nichts heraus auf, oft verbunden mit einer Art Todesangst oder der Angst umzufallen oder sich unkontrolliert zu verhalten. Auslösende Situationen können solche sein, wo eine „Flucht“ kaum möglich erscheint, wie beispielsweise in einem Tunnel, in größeren Menschen-mengen, in einem Kaufhaus oder ähnlichem, auf Festen usw.

Wichtig zu benennen ist auch noch die generalisierte Angststörung, bei der eine gewisse Ängstlichkeit ständig präsent zu sein scheint. Fast jede Alltagssituation ist mit der Befürchtung verbunden, dass etwas Schlimmes passieren könnte. Die Angst bzw. Befürchtung bezieht sich dann nicht nur die eigene Person sondern insbesondere auch andere nahestehende Menschen.

Weiterhin zu erwähnen ist die hypochondrische Angststörung. Hier geht es um das unrealistische „Wissen“ oder die ausgeprägte Befürchtung, eine oder mehrere schwerwiegende Erkrankungen zu haben, obwohl nachweislich organisch keinerlei Veränderungen nachgewiesen werden konnten.

 

Anpassungsstörungen:

Eine Anpassungsstörung zeichnet sich dadurch aus, dass aufgrund einer Belastungs- oder erheblichen Konfliktsituation Symptome auftreten, die denen einer Depression und/oder Angsterkrankung ähneln, in der Intensität aber eine solche Diagnose nicht begründen. Die Belastung ist dabei nicht so bedrohlich, wie dies bei der Posttraumatischen Belastungsstörung der Fall ist.

Auslöser können z. B. Ablösung aus dem Elternhaus, Auszug der Kinder, Trennung, Tod eines Angehörigen, Arbeitsplatzverlust, Rentenbeginn u.ä. sein. Die Symptomatik bildet sich meist innerhalb von 6 Monaten zurück, unter Aufarbeitung mit Psychotherapie manchmal auch rascher.

 

Zwangsstörungen:

Diese Erkrankung kann sich sowohl auf das Handeln wie auch auf die Gedanken auswirken. Unterscheiden lässt sich hier z.B. ein Waschzwang, ein Kontrollzwang oder ein Zählzwang auf der Handlungsebene, ein Grübelzwang oder Zwangsimpulse (beispielsweise die Angst, jemandem wehtun zu wollen oder zu können, verletzen zu wollen etc.) auf der gedanklichen Ebene.

Wenn die Betroffenen versuchen, ihre Zwänge zu unterdrücken, entsteht eine erhebliche Angst, die dann so unerträglich wird, dass den Zwängen letztendlich wieder nachgegeben wird.

 

Persönlichkeitsstörungen:

Persönlichkeitsstörungen sind Erkrankungen, die lange Zeit überdauernd bestehen und in der Regel bereits in der Kindheit oder Jugend beginnen. Die Erfahrens- und Verhaltensmuster der Betroffenen weichen dabei insgesamt deutlich von der kulturellen Norm ab. Diese Abweichungen äußern sich z.B. in Bezug auf die Wahrnehmung und Interpretation, auf die Emotionen, die Impulskontrolle, die Bedürfnisbefriedigung und die Art des Umgangs mit anderen Menschen.

Es können verschiedene Persönlichkeitsstörungen unterschieden werden, die sicher bekannteste ist die sogenannte Borderline Störung, eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung. Die histrionische Persönlichkeitsstörung, die zwanghafte Persönlichkeitsstörung, die ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung und die abhängige Persönlichkeitsstörung sollen allerdings nicht unerwähnt bleiben.

 

Essstörungen:

Es lassen sich drei große Hauptgruppen von Essstörungen unterscheiden:

Die Magersucht (Anorexie), die Ess-Brech-Sucht (Bulimie) und die Esssucht (Binge-Eating).

Bei der Anorexie kommt es zu massivem Untergewicht mit teils lebensbedrohlichem Charakter. Die Betroffenen essen nicht oder kaum mehr, zählen Kalorien, fühlen sich trotz Gewicht deutlich unterhalb des normalen BMI (Body-Maß-Index) zu dick, haben ein völlig verzerrtes Körperbild.

Die Bulimie sowie die Binge-Eating-Störung können auch als Impulskontrollstörungen bezeichnet werden. Häufig steht dahinter eine hohe Anspannung, die durch Essen oder Essen und Erbrechen versucht wird abzubauen.

Bei der Bulimie kommt es oft zunächst zu Essorgien und dann zu Erbrechen, das selbst eingeleitet wird. Manchmal verselbständigt sich auch das Erbrechen, so dass eine Manipulation durch den/die Betroffene/n gar nicht mehr erforderlich ist. Meistens sind die bulimischen Patienten normalgewichtig bis leicht übergewichtig. Daher fällt die Störung in der Umgebung viel seltener auf als die Anorexie.

Die Bulimie geht aber ebenso wie die Anorexie mit schweren körperlichen Beeinträchtigungen einher. Bei beiden Erkrankungen kommt es zu Mangelerscheinungen, die sich im Labor nachweisen lassen. Hinzu kommen bei der Bulimie durch das Erbrechen Zahnschmelzveränderungen, Entzündungen der Speiseröhre und Haarausfall, um nur ein paar Beispiele zu benennen.

Die Binge-Eating-Störung geht in der Regel mit erheblichem Übergewicht einher. Oft versuchen die Betroffenen stundenlang zu hungern um abzunehmen, bis dann irgendwann der Heißhunger so groß wird, dass alles in sich hineingestopft wird, was zu finden ist. Die Patienten berichten häufig darüber, dass sie nicht aufhören können zu essen, dass sie völlig das Gefühl von Hunger, Appetit und Sättigung verloren haben.

 

Posttraumatische Belastungsstörungen:

Die posttraumatische Belastungsstörung ist, wie der Name schon sagt, eine psychische Störung, die nach einem oder mehrerer Traumata auftritt. Alle Menschen, die traumatischen Situationen ausgesetzt sind, zeigen eine akute Belastungsreaktion. Aber nicht alle Menschen sind in der Lage, diese Belastung zu verarbeiten und dann als Vergangenes abzulegen. Bei den posttraumatischen Belastungsstörungen bleibt das Geschehene über die Maßen präsent. Die Patienten leiden dann unter wiederkehrenden Bildern aus dem traumatischen Erlebnis. In diesen Situationen fühlen sie sich so, als ob sie noch in der Situation wären und haben keine Empfindung darüber, dass das Ganze schon lange vergangen ist. Solche sogenannten Intrusionen oder auch Flashbacks können unterschiedlich häufig auftreten und in schweren Fällen sogar mehrmals täglich. Oft werden die traumatischen Erinnerungen auch in Form von Alpträumen wiedererlebt. Die Betroffenen werden teils durch Kleinigkeiten getriggert, d.h. Kleinigkeiten/Teilaspekte aus den vergangenen Traumata können die traumatische Erinnerung wach und lebendig rufen. Das kann z.B. der Schnurrbart eines Menschen sein oder ein Geruch, ein Geräusch und vieles mehr.

Die Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen sind besonders schnell erregbar, d.h. sie reagieren hypersensibel in alltäglichen Situationen, haben eine nur geringe Stresstoleranz und leiden dann oft unter ausgeprägten Körperreaktionen wie Zittern, Schwindel, muskuläre oder innere Anspannungen und ähnliches. Betroffene Menschen versuchen, auslösende Situationen zu vermeiden. Rasch kann sich diese Vermeidung generalisieren, so dass viele Alltagssituationen gar nicht mehr gemeistert werden können, möglicherweise auch eine Berufstätigkeit nicht mehr denkbar ist.

Nicht selten kommt es auch zu sogenannten Dissoziationen - Zustände, in denen die Betroffenen nicht ansprechbar sind oder bei Ansprache wie automatisiert reagieren und an die sie sich im Anschluss nicht oder nur vage erinnern können.

 

Somatisierungsstörungen, somatoforme Störungen und chronische Schmerzstörung:

Oft reagieren Menschen auf schwierige Situationen nicht vordergründig mit psychischer Symptomatik sondern mit körperlicher. Sie entwickeln z.B. Magen-Darm-Probleme, Herzprobleme, Gelenkprobleme oder auch Schmerzen, ohne dass sich in den entsprechenden Untersuchungen organische Befunde ergeben oder die Befunde die Heftigkeit der körperlichen Reaktion erklären könnten. Häufig sind diese Störungen mit depressiven Symptomen verbunden oder gehen diesen voraus. Oft ist der Ausdruck über den Körper auch ein Ersatz für abgewehrte bzw. „nicht erlaubte“ Gefühle.

Die chronische Schmerzstörung ist für die Betroffenen besonders schwerwiegend, denn oft wird versucht, mit Medikamenten dagegen zu wirken, ohne dass es wirklich hilfreich ist. Dies führt nicht selten zu Schmerzmittelmissbrauch bis hin zur Morphinabhängigkeit.

 

Suchterkrankungen und psychotische Erkrankungen werden hier nicht im Einzelnen aufgeführt, da der Schwerpunkt der Praxis auf der Behandlung der beschriebenen Erkrankungen liegt, zumindest im psychotherapeutischen Sinne gesehen. 

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